Behandlungsablauf

Der Behandlungsablauf im einzelnen

Bei den erforderlichen Operationen geht es keinesfalls nur um die ästhetische Rekonstruktion des Gesichts, sondern hauptsächlich um die vollständige Wieder­herstellung aller Funktionen (Kauen, Schlucken, Hören, Sprechen) und der Gewähr­leistung eines normalen Wachstums. Dieses Ziel können nur spezialisierte Ärzte erreichen, die sich sehr genau in den komplexen anatomischen Strukturen des Gesichtsschädels auskennen und wissen, wie Struktur und Funktion zusammen­hängen. Ebenso müssen sie das Wachstumsverhalten von Knochen und Weich­gewebe einplanen und berücksichtigen. Für die operativen Eingriffe sind daher die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen zuständig. In spezialisierten Zentren arbeiten sie sehr eng mit den Kollegen der anderen medizinischen und zahnmedizinischen Fachrichtungen zusammen.

Zur Sicherung einer normalen Zungenlage und -bewegungmusters und einer ersten Trennung von Mund- und Nasenraum wird dem Neugeborenen bald nach der Geburt eine Kunststoffplatte eingesetzt, die wie eine zahnlose Prothese aussieht. Sie ver­schließt die Gaumenspalte zunächst provisorisch, sorgt für eine gute Zungenlage und kann in begrenztem Maße auch der Ausformung der Kieferanteile dienen. Sie ist wichtig für den späteren Spracherwerb, erleichtert aber auch die Ernährung des Säuglings. Gerade der Ernährung mit Muttermilch kommt eine besondere Bedeutung zu, denn durch das Stillen wird die durch die Spaltbildung fehlansetzende und unter­entwickelte Mundmuskulatur speziell trainiert, in einer optimalen und der Flaschen­ernährung deutlich überlegenen Weise.

Ab dem Alter von etwa vier Monaten und einem Körpergewicht von 5 kg kann dann die Lippenspalte verschlossen, der Nasenboden gebildet und die Nase aufgerichtet werden. Je nach Behandlungskonzept wird gleichzeitig oder in einer weiteren Operation bis zum ersten Geburtstag des Kindes operativ der Gaumen verschlossen. Manche Zentren verschließen den harten Gaumen auch erst nach dem zweiten Lebensjahr. Prinzipiell benötigt das Kind bis zur Einschulung dann keine weiteren Operationen, falls Laut- und Sprachbildung problemlos erfolgen und das Wachstum und die Narbenbildung zu einer unauffälligen Ästhetik führen. Ansonsten sollten sekundäre Korrektureingriffe zur Verbesserung der Sprechfunktion (sprechunter­stützende Operationen) oder der Ästhetik (Lippen-Nasenflügelkorrekturen) rechtzeitig vor der Einschulung durchgeführt werden. Verbesserungen der Zahn- und Kiefer­stellung werden insbesondere in Zusammenarbeit mit den Kieferorthopäden vorgenommen, ggf. kann dies schon im Milchgebiss mit 4-5 Jahren sinnvoll sein. Im Wechselgebissalter mit 8-12 Jahren kann ein Knochenaufbau in der Kieferspalte notwendig werden (sog.sekundäre Osteoplastik). Zum Wachstumsabschluss, zwischen 16. und 18. Lebensjahr können Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen dann mit eventuell anfallenden Korrektureingriffen die Ästhetik des Gesichtes nahezu voll­kommen normalisieren. Hierzu gehört neben Vorverlagerungen des Oberkiefers insbesondere die Korrektur der Nase. Mit dem Einbringen eines dentalen Implantates lässt sich dann auch eine eventuell noch bestehende Zahnlücke bei fehlendem seitlichen Schneidezahn sicher und dauerhaft verschließen.