Botulinumtoxin fürs Kiefergelenk

Mode-Faltenglätter erspart jetzt auch Kiefer-OP.

Im Gesicht von Frauen ist der Wirkstoff Botulinumtoxin A weit über Hollywood hinaus nicht nur bei den Reichen und Schönen populär geworden, weil er Muskeln lähmt und Falten glättet. Studien belegen jetzt auch die Wirksamkeit bei Kiefer­gelenks­beschwerden.

Millionen Menschen leiden mehr oder weniger stark unter Kiefergelenks­beschwer­den. Die Gelenke knacken und schmerzen. Sie können über das altersbedingte durchschnittliche Maß bewegt werden, es kommt zu Kiefergelenksverschiebungen oder gar -auskugelungen. Die Ursachen waren bisher medizinisch ein schwer zu beherrschendes Problem.

Kleiner Pieks erspart aufwändige Operation

Operative Maßnahmen ziehen in der Regel eine strukturelle Änderung der gesamten Kiefer- und Biss-Situation mit sich, ohne dabei die oftmals gravierendste Ursache auszuschalten, nämlich die Fehlfunktion eines Muskels (M. Pterygoideus). Pfiffige MKG-Chirurgen haben jetzt einen Lösungsansatz gefunden, den betreffenden Muskel einfach zu schwächen. Nahe liegend war hierfür die Verwendung des Wirkstoffes Botulinumtoxin A, ein Protein, das bereits vor über 100 Jahren entdeckt wurde und heute in vielen unterschiedlichen Bereichen Anwendung findet. Es wird beispiels­weise seit mehr als 20 Jahren in der Nervenheilkunde – und sogar bei Kindern ab 2 Jahren – eingesetzt. Größere Nebenwirkungen gab es nicht. In der Ästhetischen Gesichtschirurgie wird es seit fast 20 Jahren erfolgreich zur Faltenglättung eingesetzt: Experten wie MKG-Chirurgen, die sich auf Ästhetische Gesichtskorrekturen speziali­siert haben, können mit Botulinumtoxin gezielt Einfluss auf die Mimik und mimische Falten nehmen. Botulinumtoxin vermindert die Muskelkontraktion und blockiert den zuständigen Botenstoff. Die Muskulatur entspannt und die Falten glätten sich oder verschwinden völlig. In gleicher Weise funktioniert es jetzt im Kiefergelenk: Bei Patienten mit grundsätzlich normalen Gelenkstrukturen wird Botulinumtoxin in den M. Pterygoideus gespritzt, der Muskel entspannt und die Beschwerden lassen nach bzw. verschwinden vollständig.

Studie belegt Wirksamkeit

An 5 Zentren wurden Patienten, die bei grundsätzlich gesunden Gelenken min­des­tens eine Kiefergelenksauskugelung pro Woche hatten, Botulinumtoxin gespritzt. Der Studienverlauf sowie die Ergebnisse wurden anhand einheitlicher Frage- und Untersuchungsbogen nach vorher festgelegten Kriterien durchgeführt. Erfreulich: Bei allen Patienten trat eine positive Veränderung ein, 90 % der an der Studie teilge­nommenen Patienten hatten sogar für mindestens 12 Wochen gar keine Beschwer­den mehr. Nebenwirkungen traten nach Patientenangaben keine auf. Somit scheint die Behandlung mit Botulinumtoxin A eine wirksame minimalinvasive Methode zur Behandlung chronischer Kiefergelenksverschiebungen und -auskugelungen zu sein. Kleiner Wermutstropfen der schnellen und unkomplizierten Hilfe: Die Wirkung hält durchschnittlich 3 – 6 Monate an, dann muss nachgespritzt werden. Aber Vorsicht: Auch wenn es sich hierbei um einen kleinen Eingriff handelt, gehört die Behandlung unbedingt wegen der punktgenauen Injektion des Botulinumtoxins in Expertenhand. MKG-Chirurgen sind dabei eine erste gute Anlaufstelle: Sie sind bereits durch ihre Ausbildung ausschließlich auf das gesamte Spektrum der Gesichtschirurgie einschließlich des Schädels und Kiefers spezialisiert.